„d’accord e(s)t la femme“ – Chormusik von Komponistinnen

Veröffentlicht von Franziska Huemer am

Denk doch einmal schnell an drei Komponistinnen. Gar nicht so einfach, oder? Genau diese Erfahrung stand sinnbildlich über dem Konzertabend „d’accord e(s)t la femme“, mit dem der Chor d’accord wien im Juni 2022 eindrucksvoll zeigte, wie reich, vielfältig und überraschend die Chormusik von Frauen ist – und wie sehr sie es verdient, gehört zu werden.

Im festlichen Rahmen des Festsaals des Akademischen Gymnasiums am Beethovenplatz spannte sich ein musikalischer Bogen über viele Jahrhunderte: von mittelalterlichen Klängen über Renaissance, Barock und Romantik bis hin zu zeitgenössischer Chormusik und vokaler Performancekunst. Das Programm machte damit deutlich, dass komponierende Frauen keineswegs eine Randerscheinung einzelner Epochen sind, sondern seit Jahrhunderten musikalische Geschichte mitgestalten – oft jedoch im Schatten ihrer männlichen Kollegen.

Der rote Faden des Abends war klar: Sichtbarkeit schaffen. Werke von Komponistinnen wie Kassia von Konstantinopel, Clara Schumann oder der zeitgenössischen Komponistin Sarah Quartel standen exemplarisch für ganz unterschiedliche musikalische Ausdrucksformen, Ästhetiken und historische Kontexte. Gerade diese stilistische Vielfalt machte den Reiz des Programms aus und sorgte dafür, dass selbst versierte Chormusikliebhaber:innen Neues entdecken konnten.

Unter der einfühlsamen und präzisen Leitung von Katja Kalmar präsentierte sich d’accord wien klanglich differenziert, textlich klar und mit spürbarer Begeisterung für das Thema. Die Sänger:innen verstanden es, den Charakter der einzelnen Werke herauszuarbeiten – mal meditativ und transparent, mal kraftvoll und expressiv, mal experimentell und überraschend. Besonders in den zeitgenössischen Stücken wurde deutlich, wie lebendig und aktuell Chormusik von Frauen heute ist.

Auch das Publikum zeigte sich offen und aufmerksam. Die Atmosphäre im Saal war konzentriert, warm und getragen von dem Gefühl, Teil eines besonderen musikalischen Moments zu sein.

„d’accord e(s)t la femme“ war damit weit mehr als ein Konzerttitel mit Wortspiel. Es war ein programmatisches Statement, ein musikalischer Streifzug durch Geschichte und Gegenwart und ein überzeugender Beitrag dazu, den Kanon zu erweitern. Und vielleicht – ganz sicher sogar – fallen nach diesem Abend mehr als nur drei Komponistinnen ein.

Weitere Videos vom Konzert und d’accord wien findet du auf unserem youtube-Auftritt.

Hier findest du das Programmheft: